Bedingungen, Merkmale und Einflussfaktoren zweitsprachlichen Lesens:

Bedingungen:

DaZ-Schüler:innen, die bereits in ihrer Erstsprache lesen gelernt haben, können die erworbene Lesefähigkeit auf die Zweitsprache übertragen bzw. für das Lesenlernen in der Zweitsprache nutzen.

 

Wer jedoch erst zu Beginn des Zweitspracherwerbs lesen lernt, hat es besonders schwer.  Leseerwerb baut auf mündlichen Fertigkeiten auf, daher sind die Zweitsprachkenntnisse vor allem im Erstleseprozess von großer Bedeutung.  Mangelhafter Wortschatz sowie geringe Grammatikkompetenz behindern den Leselernprozess. Auch das Hören hat für die Lesefertigkeit eine besondere Bedeutung. Daher sollten DaZ-Kinder ausreichend Möglichkeiten bekommen, die phonologische Bewusstheit zu fördern.

 

Merkmale:

  • DaZ-Kinder und -Jugendliche  weisen eine verringerte Leseflüssigkeit und Lesegeschwindigkeit auf. Dies behindert das Verstehen.
  • Ihre Lesezeiten* sind in der Regel länger und die Fixationen** dauern länger als bei den DaE-Mitschüler:innen.
  • Eingeschränkter Wortschatzumfang kann zu begrenztem Sichtwortschatz führen.
  • Mangelnde Automatisierung von Grundfertigkeiten
  • Mangelndes kulturelles Wissen führt oft zu falschen Interferenzen***, die zu Missverständnissen führen können (Niebuhr-Siebert/Baake 2014, S. 121).

*Daher muss auch die Lesemotivation gezielt gefördert werden. Wenn das Lesen nämlich zu mühevoll wird und zu lange dauert, wird der Text weggelegt.

* *Zeitdauer, wie lange das Auge ein bestimmtes Wort fixiert.

*** Interferenzen sind Informationen, die der Lesende einbringt, um zu einer schlüssigen, zusammenhängenden Struktur zu kommen.

 

Einflussfaktoren auf die zweitsprachliche Lesekompetenz:

  • bereits erworbene Lesekompetenz
  • Zweitsprachkompetenz
  • Erwerbsphase, in der sich der/die DaZ-Schüler:in befindet
  • Schriftsystem
  • Alter
  • Häufigkeit des Sprachkontakts
  • Erziehungsumgebung

 

Worauf muss noch geachtet werden >>weiterlesen>>