"Bei der Einschätzung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler ist zu berücksichtigen, dass diese nur einen kleinen Ausschnitt ihrer tatsächlichen Erfahrungs- und Erlebniswelt in der für sie fremden Sprache wiedergeben können. Schularbeiten sind so zu erstellen, dass sie dem individuellen Sprachstand der Schülerinnen und Schüler entsprechen. Die Verwendung von zweisprachigen Wörterbüchern ist zu ermöglichen." (farbl. Hervorhebung M. Eickhoff)

Aus: "Besondere didaktische Grundsätze, wenn Deutsch Zweitsprache ist: Sekundarstufe I", S. 23

(http://www.schule-mehrsprachig.at/fileadmin/schule_mehrsprachig/redaktion/hintergrundinfo/info6-16-17.pdf)

 

Diesen Passus muss man auch auf die 4. Klasse der VS übertragen dürfen! Alles andere wäre unlogisch.

 

Dazu Kommentare zur Leistungsbeurteilungsverordnung (LBVO):

 

§ 2 Abs. 1: Der Leistungsfeststellung sind nur die im Lehrplan festgelegten Bildungs- und Lehraufgaben und jene Lehrstoffe zugrunde zu legen, die bis zum Zeitpunkt der Leistungsfeststellung in der betreffenden Klasse behandelt worden sind.

(farb. Hervorhebung M. Eickhoff)

 

§ 2 Abs. 3: Die vom Lehrer jeweils gewählte Form der Leistungsfeststellung ist dem Alter und dem Bildungsstand der Schüler, den Erfordernissen des Unterrichtsgegenstandes, den Anforderungen des Lehrplanes und dem jeweiligen Stand des Unterrichtes anzupassen.

(farb. Hervorhebung M. Eickhoff)

 

Kommentar:

Im Hinblick auf die DaZ-Schüler/innen kommt hier Folgendes zu tragen: Viele sprachliche Teilbereiche werden im Unterricht "bis zum Zeitpunkt der Leistungsfeststellung" nicht behandelt, weil sie einfach vorausgesetzt werden. Die DaZ-Schüler/innen müssten (lt. dieses Passus) jedoch vieles zuerst explizit gelehrt werden, um es dann im Test oder in der Schularbeit beurteilen  zu dürfen.

 

Beispiel einer Aufgabenstellung:

Verfasse eine Geschichte, in der die folgenden Wörter vorkommen: Hund – Katze – Baum – Feuerwehr. Schreibe in der Mitvergangenheit und verwende wörtliche Reden. Achte auf den Textbau!

 

Welche Kenntnisse und Fertigkeiten setzt diese Aufgabenstellung voraus?

  • Die Schüler/innen können Sätze und Satzgefüge bilden.
  • Die SchülerInnen wissen, was eine Mitvergangenheit ist und können die Formen bilden.
  • Sie wissen, was eine wörtliche Rede ist und wie man diese einleitet, z. B. Frau Blaschek schrie: „Mein Liebling, wo bist du?“; jammerte: „Ach, meine arme Katze! Was mach ich jetzt?“; erklärte der Feuerwehr: „Sehen Sie, dort oben ist meine Katze.“
  • Die Kinder wissen vor allem, wie man einen Text aufbaut (Beginn, logische Reihenfolge, Ende) = Textkohärenz.
  • Sie verfügen über den angemessenen aktiven Wortschatz.
  • Sie kennen sprachliche Mittel zur Satzverknüpfung und -überleitung (Als …, Danach … Schließlich …).
  • Sie kennen deiktische Ausdrücke ("Zeigwörter") und können diese anwenden: dieser, daher, deshalb, so, jetzt, dort, da usw.
  • Die Schüler/innen kennen und verwenden Partikel: sehr, fast, etwas, ziemlich, so usw.
  • Die Schüler/innen wissen um den Unterschied zwischen mündlicher und schriftlicher Sprache usw.

Das bedeutet: All das muss vorher im Unterricht nachweislich behandelt worden sein, wenn es bei der Schularbeit beurteilt wird.

 

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